Sommer-Saison/ Barfuß-Saison

Der Sommer neigt sich zwar bereits dem Ende, aber noch ist sie nicht vorbei- die Sommer-Saison, die Barfuß- Saison :) Während wir die letzten Sonnenstrahlen genießen und ich zudem die schuhfreie Zeit, möchte ich Euch für die letzten Wochen (und im Voraus für das nächste Jahr) ans Herz legen, öfter einmal barfuß zu gehen.

Zugegeben, ich höre von immer mehr Menschen, die sagen, die Barfuß- Saison wäre das ganze Jahr über. Aber soweit bin ich nicht..zumindest noch nicht.

Aber warum barfuß?!? Schuhe bieten doch Schutz- nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Schmutz, Glasscherben und allem anderen, was sich auf der Strasse findet und in das niemand hineintreten will…weswegen also barfuß? Gesundheit oder Folter? Was sind die Vorteile?

fussblog

Vorteil Nummer 1: Freude und Leichtigkeit

Ich weiss- für jemanden, der sich beruflich mit Gesundheit auseinandersetzt, sollte das erste Argument für das Barfuß- Gehen nicht die Freude und die Lebenslust sein, auch wenn dies sehr wichtige förderliche Faktoren für die individuelle Gesundheit sind. Viele erwarten an dieser Stelle vielleicht einen Hinweis auf eine direkte und unmittelbare Auswirkung des Barfuß-Gehens auf die körperliche Gesundheit. Beispielsweise eine Auflistung der einzelnen Fußreflexzonen, die vor allem beim Gehen auf Steinen stimuliert werden und über die man positiv auf innere Organe einwirken kann. Aber geduldet Euch noch einige Zeilen lang..denn das Erste, das mir zu den positiven Aspekten des Barfuß- Gehens einfällt, ist die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und das Gefühl der Leichtigkeit. Ich habe nicht (zumindest nicht bewusst) aus gesundheitlichen Gründen begonnen, hauptsächlich barfuß durch die Stadt zu laufen, sondern schlichtweg, weil es sich für mich gut anfühlt. Ich finde es einfach wunderbar, den Boden direkt unter meinen Füßen zu spüren. Insbesondere, wenn ich in der freien Natur bin. Selbst wenn man nicht bewusst darauf achtet und sich konzentriert, setzt man sich aktiv mit den Unebenheiten und unterschiedlichen Untergründen auseinander. Man kann die Verbindung zwischen der Natur und sich stärker wahrnehmen und sich geerdeter fühlen (beziehungsweise sein). Probiert es aus- geht in die Natur und stellt Euch auf einen Waldboden, eine Wiese oder auf Steine. Schließt die Augen und macht einige Atemzüge. Dann zieht die Schuhe aus und wiederholt es noch einmal. Spürt Ihr den Unterschied? Spürt Ihr die Verbundenheit?

 

IMAG2959

Vorteil Nummer 2: bessere Haltung

Frauen behaupten oft, dass sie eine bessere und schönere Haltung in High Heels hätten. Ihre Haltung wäre gerader. Das stimmt jedoch ganz und gar nicht. Es mag schöner aussehen, weil wir leicht ins Hohlkreuz gehen müssen, wenn wir auf Absätzen stehen. Und diese Haltung wirkt oft attraktiver. Gesund ist sie deswegen noch lange nicht (mehr dazu in meinem Artikel zu High Heels). Gut trainierte Füße und eine gute Verteilung des Körpergewichts sind die “Zutaten” für eine gesunde und gerade Haltung. Unterstützend dafür ist eine möglichst genaue Wahrnehmung des Untergrunds. Wenn der Tastsinn unserer Füße nicht von Schuhsohlen behindert wird, können natürliche Bewegungsabläufe leichter entstehen. Stöße, die durch die Schritte entstehen, werden anders gedämpft und Unebenheiten besser ausgeglichen. Selbst in flachen Schuhen gehen wir eher ins Hohlkreuz als ohne Schuhe und knicken mit der Hüfte ab. Beim Barfuß-Gehen nehmen die unzähligen Rezeptoren an unseren Fußsohlen den jeweiligen Untergrund präzise wahr und gleichen die Bewegungen sofort aus, wenn sie ein schiefes Auftreten bemerken. Das geschieht in Schuhen nicht auf dieselbe unmittelbare und präzise Art und Weise. Die meisten Schuhe passen sich dem Fuß nur selten an und verhindern das natürliche Abrollen. Unbewusste Ausweichbewegungen, die zu muskulären Dysbalancen führen, werden begünstigt.

Nehmt Euch als Exkurs kurz Zeit und seht Euch Bilder von barfuß-laufenden Naturvölkern an. Achtet auf ihre Haltung und vergleicht diese bei der nächsten Gelegenheit mit der Haltung der Menschen in Eurem Alltag. Fällt Euch etwas auf? Glaubt mir, Schuhe tragen viel zu Fehlhaltungen bei und falsches Schuhwerk begünstigt nicht nur Fuß-, sondern auch Rückenbeschwerden. Es ist wie beim Hausbau- ist das Fundament nicht gut und stark, sackt das Haus an irgendeiner Stelle ein (fällt vielleicht sogar in sich zusammen und kann nicht mehr “gerade und aufrecht” stehen).

Vorteil Nummer 3: stärkere Muskeln

Und wieder kommen wir darauf zurück, dass sich die Füße beim Barfuß-Gehen an den Untergrund anpassen müssen. Sie tun das ständig und bei jedem Schritt. Eine positive Wirkung, die bisher noch nicht erwähnt wurde, ist das Stärken der Muskeln. Ein Schuh gipst Euren Fuß regelrecht ein. Es ist fast so, als würdet Ihr tagaus tagein mit Fäustlingen herumlaufen. Wäre es gängige Praxis, seine Hände in Fäustlinge zu packen, würden wir sehr wahrscheinlich die Armmuskeln und Handgelenke stärker beanspruchen. Dementsprechend werden oft die Bänder und Gelenke der Füße stark belastet, sofern die Fußmuskulatur zu schwach ist. Barfuß- Gehen stärkt die Muskeln nicht nur, sondern unterstützt zeitgleich auch Nervenfasern, Sehnen und Bänder und fördert die Beweglichkeit der Gelenke. Auch “verkümmerte” Muskeln werden wieder neu gestärkt und dies wirkt sich positiv den gesamten Körper hinauf- über die Beine, Knie, Hüfte und Rücken bis in den Nacken. Zeitgleich wirkt Ihr Beschwerdebildern wie Knick-, Spreiz- oder Senkfüßen entgegen. Nicht zuletzt wirkt sich das Barfuß-Gehen positiv auf Euren Gleichgewichtssinn aus.

Die Muskeln des Fußes werden in sogenannte extrinsische und intrinsische Muskeln unterteilt. Bei den extrinsischen handelt es sich um Muskeln, die ihren Ursprung außerhalb des Fußes haben und über ihre langen Sehnen die Statik des Fußes beeinflussen. Unsere heutigen Lebensgewohnheiten sorgen meist dafür, dass hauptsächlich diese Muskeln beansprucht werden. Die intrinsischen, die kurzen Muskeln, die sich am Fuß selbst befinden, verlieren dadurch mehr und mehr an Funktionalität. Ideal ist jedoch ein Zusammenarbeiten beider Muskelarten, was unter anderem auch die Form des Fußgewölbes verbessert. Und genau dies könnt Ihr neben gezielten Übungen durch das Barfuß- Gehen fördern. Eure Fußgelenke werden flexibler und stabiler. Verletzungen sollten dadurch seltener auftreten.

Vorteil Nummer 4: bessere Blutzirkulation

Wie bereits erwähnt, engen Schuhe Eure Füße ein. Dies kann dazu führen, dass sie schlechter beziehungsweise nicht richtig durchblutet werden. Barfuß- Gehen fördert die Blutzirkulation und unterstützt damit die Heilung von Verletzungen und Beschwerden Eurer Füße. Dadurch könnt Ihr unter anderem Krampfadern sowie anderen Durchblutungsstörungen entgegenwirken.

Vorteil Nummer 5: natürliche Fußmassage

IMAG3024Die kleinen Unebenheiten in der Natur sind wie eine natürliche Form der Fußmassage. Dies gilt insbesondere für das Gehen auf Steinen. Die Fußreflexzonen, die ich in einem anderen Artikel vorstelle, werden stimuliert. Dadurch wirkt Ihr positiv auf Eure inneren Organe ein. Neben der Fußmassage härtet das Gehen auf beispielsweise Steinen die Füße auch in gewisser Weise ab. Die Fettschicht unter Eurer oberen Hautschicht verdickt sich, sodass kleine oder spitze Steine nicht mehr zwangsläufig Schmerzreize auslösen. Ich erinnere mich beispielsweise gar nicht daran, dass es mich (außer als meine Fußsohle verletzt war) geschmerzt hätte, über Steine zu gehen oder zu laufen. Hin und wieder werde ich darauf angesprochen, dass die Hornhaut doch zunehmen müsste- nein, das muss sie keineswegs. Es ist ein Irrglaube. Denn Hornhaut entsteht durch Reibung und Feuchtigkeit- beides ist beim Barfuß- Gehen selten. Jeder, der oft barfuß geht, wird es Euch bestätigen. Immer, wenn ich meine Füße mit denen von Freunden, verglichen habe, die ihre ständig in Schuhe einpacken, hatte ich weniger. Nun ja, das ist ehrlich gesagt nicht schwer, denn ich habe keine Hornhaut…aber dies liegt nicht an mir, denke ich. Denn wenn ich Menschen, die viel oder hauptsächlich barfuß unterwegs sind, auf das Thema angesprochen habe, berichteten sie mir dasselbe.

Vorteil Nummer 6: geringere Aufprallkräfte 

Beim Barfuß- Gehen werden die Füße meist behutsamer und achtsamer aufgesetzt. Das sensorische Feedback fördert dies, um die bei den Schritten entstehenden Aufprallkräfte zu verringern.

Vorteil Nummer 7: Schutz vor Fuß- und Nagelpilz

Es ist ein Gerücht, dass man sich schneller mit Fuß- oder Nagelpilz ansteckt, wenn man keine Schuhe trägt. Genau genommen ist eher das Gegenteil der Fall. Das feuchtwarme Milieu, das in Schuhen durch den verringerten Luftaustausch entsteht, fördert nämlich Pilzerkrankungen. Wer barfuß geht und läuft, hält seine Füße an der Luft leichter trocken und verringert die Möglichkeit eines Fuß- oder Nagelpilzes.

Vorteil Nummer 8: gesündere Füße

Viele Menschen in Industrieländern haben Fußbeschwerden oder -deformationen wie beispielsweise Knick-, Spreiz- oder Senkfüße. Wie oben erwähnt, werden die Muskeln unserer Füße in Schuhen kaum noch trainiert. Und dies begünstigt leider Fehlstellungen und Verformungen der Füße. Je weniger Muskeln, Bänder oder Sehnen belastet werden, desto eher bilden sie sich zurück. Unpassende und enge Schuhe sowie High Heels fördern leider eine ganze Palette an Beschwerdebildern. Auch Blasen, Hühneraugen, eingewachsene Zehennägel und ähnliche Probleme entstehen deutlich weniger, wenn Ihr öfter barfuß geht oder lauft.

Vorteil Nummer 9: sensiblerer Tastsinn

Besonders für diejenigen, die in den letzten Jahren sehr selten barfuß gegangen sind, kann es ein wahres “Aha”-Erlebnis sein, die Schuhe für einige Schritte beiseite zu legen. Je öfter Ihr die Schuhe in den Händen oder der Tasche und nicht an den Füßen tragt, desto besser wird Euer Tastsinn werden. An Euren Zehen und Fußsohlen befinden sich in einer sehr hohen Dichte unzählige Rezeptoren, die für den Tastsinn verantwortlich sind. Versucht auf unterschiedlichen Untergründen zu laufen. Lasst Euch bei jedem Mal etwas Neues einfallen. Seid kreativ :) Es ist wunderbar, den Tastsinn zu sensibilisieren. Gleichzeitig werdet Ihr auch Euer Gleichgewichtsgefühl stärken. Die Natur bietet eine solche Fülle an Abwechslungsreichtum, was den Boden betrifft. Nutzt es aus!

Vorteil Nummer 10: gesunde Entwicklung von Kinderfüßen

Besonders Kindern sollte man so oft wie möglich erlauben, barfuß zu gehen und zu laufen. Es ist Vorsicht geboten, da die Haut im Vergleich zu uns Erwachsenen noch nicht so gut gegen Verletzungen geschützt sind. Dennoch- Kinderfüße sind noch elastisch und formbar und durch das Barfuß- Gehen können Muskeln gestärkt und die korrekte Zehenstellung erhalten werden. Barfuß- Gehen unterstützt die natürliche Entwicklung der Füße. Das Fußgewölbe ist erst ungefähr ab dem achten Lebensjahr ausgewachsen und kräftig. Es kann sich jedoch nicht optimal entwickeln, wenn Kinder das Laufen nur in Schuhen lernen. Beobachtungen und Studien belegen, dass in Ländern, in denen Kinder meist barfuß gehen und laufen, diese deutlich weniger bis hin zu gar keine Fußbeschwerden und -erkrankungen haben. Natürlich wirkt sich eine Fußbeschwerde oder -erkrankung dann unmittelbar auch auf die gesamte Gesundheit aus. Wenn jemandem der Fuß schmerzt, wird er sich -nachvollziehbarer Weise- weniger gern bewegen. Und dieser Bewegungsmangel kann dann weitere Beschwerden begünstigen. Und das ist schade. Insbesondere, da die wenigsten Kinder mit orthopädischen Fehlstellungen auf die Welt kommen und man vielen Problemen durch das Barfuß- Gehen entgegen wirken kann.

Vorteil Nummer 11: schöne Füße

Wer viel barfuß läuft, trainiert -wie Ihr oben schon gelesen habt- quasi ganz nebenbei seine Fuß- und Beinmuskulatur und wirkt einer Verformung seiner Zehen entgegen. Das sorgt natürlich dann auch für schöne Füße und verringert Venenleiden.

 

Nun also Schuhe aus und so oft wie möglich barfuß gehen? Nicht ganz- wer zu schnell zu lange barfuß geht, riskiert Überlastungsschäden. Gewöhnt Eure Füße langsam an die neue Situation und Belastung. Geht beispielsweise anfangs regelmäßig, jedoch nur kurze Zeiträume und Strecken barfuß. Dabei kann es sich um eine halbe bis eine Stunde täglich handeln. Empfehlenswert ist es auch, auf einem weichen Untergrund zu beginnen- beispielsweise Sand oder eine Wiese. Lasst Euch nicht abschrecken, wenn Ihr anfangs jeden einzelnen Stein bemerkt. Eure Füße werden sich daran gewöhnen und es Euch danken! Lasst Euch auch nicht von Blicken anderer entmutigen. Das unterschätzte Barfuß- Gehen und Laufen wird immer moderner.

Aber das Barfuß- Gehen hat auch einen Nachteil, der nicht zu verleugnen ist- Scherben und andere spitze Gegenstände können Verletzungen und Wunden verursachen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann zu Infektionen führen, wenn Dreck und Schmutz in die Wunde gelangt. Besonders Menschen, die ein gestörtes Schmerzempfinden haben, sollten besonders vorsichtig sein. So ruft man in der Regel Menschen mit Diabetes und Polyneuropathie zu besonderer Vorsicht auf. Es kann sein, dass sie Verletzungen zu spät bemerken.

 

Wollt Ihr Eure Erfahrungen zum Barfuß- Gehen teilen? Dann haltet Euch bitte nicht zurück und nutzt die untenstehende Kommentarfunktion..ich freue mich

Viele Grüsse und viel Freude bei der Entdeckungsreise und allen Türen und Erfahrungen, die sich durch das Barfuß- Gehen aufmachen.  :)

//Um auf die Hauptseite zurückzuerlangen, einfach oben links auf “Gesunde Füsse” oder HIER klicken//

 

___________________________________________

Hinweis zu medizinischen Beiträgen:

Beiträge mit medizinischen Inhalten dienen ausschließlich zu Zwecken der allgemeinen Information. Sie sind nicht zur (Selbst-)Diagnose und Behandlung individueller Beschwerden, Erkrankungen oder medizinischer Indikationen geeignet. Insbesondere können sie die Untersuchung, Beratung oder Behandlung durch einen zugelassenen Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker nicht ersetzen. Eine Beantwortung individueller Fragen erfolgt durch die Artikel nicht. Alle Informationen sind sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann keine Garantie gegeben werden. Eine Haftung von Bernadett Gera für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ist ausgeschlossen. 

____________________________________________________________________

Urheberrecht

Alle Rechte an Text und Bild sind vorbehalten. Eine vollständige oder auszugsweise Reproduktion, gleich welcher Form (Fotokopie, Mikrofilm, elektronische Datenverarbeitung oder andere Verfahren), Vervielfältigung und Weitergabe von Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung von Seiten Bernadett Gera. In Texten erhaltene Links konnten zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung eingesehen werden. Auf spätere Veränderungen habe ich keinen Einfluss. Daher ist jegliche Haftung ausgeschlossen.

Kommentar hinterlassen

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s